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Hanfsamen:
Qualität und Inhaltsstoffe
Prof. Dr. Roland R. Theimer, Bergische Universität Wuppertal
Hanf (Cannabis sativa L.) ist eine der wenigen Pflanzenarten, die
von der Menschheit schon seit Jahrtausenden als Nutzpflanze erkannt
und offenbar auch sehr früh kultiviert wurde. Aus seiner Urheimat
Zentralasien hat Hanf die Menschen in beinahe alle Klimazonen begleitet:
Von den kühlen Arealen mit weniger intensiver Sonneneinstrahlung
und kurzer Vegetationsperiode bis zu den sonnenreichen subtropisch-tropischen
Arealen. Entsprechend findet man weltweiten Anbau von Hanf und viele
hundert Kultursorten bzw. Landrassen dieser wertvollen Nutzpflanze,
die über die Jahrhunderte bezüglich ihrer optimalen Anpassung
an die jeweiligen Standorte, höchsten Ertrag der jeweils gewünschten
Hanfprodukte und anderen wichtigen Wachstumseigenschaften selektioniert
worden waren.
Die Hanfpflanze ist zunächst
ein geschätzter Lieferant von Rohstoffen für Industrie
und Handwerk (Fasern, Schäben) und von Lebensmitteln und Pharmazeutika
(Öl, Eiweiß, Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Drogen). Darunter
sind Produkte mit hoher Wertschöpfung, so dass auch bei Wachstum
auf weniger geeigneten oder z.B. mit Schwermetallen verseuchten
Böden der Anbau durchaus lohnend sein kann, selbst wenn keine
Höchsterträge an Erntegut erzielt werden. Dies wird noch
unterstützt dadurch, dass Hanfkulturen praktisch keine Pflanzenschutzmittel
benötigen und daher Material- und Arbeitskosten sparen.
Die Hanfsamen sind botanisch
korrekt eigentlich Früchte, sogenannte einsamige Nüsschen,
bei denen der Samen fest in der harten verholzten Fruchtschale eingeschlossen
ist. Dieser Samen ist aufgefüllt mit dem Embryo (inaktiver
Keimling), der neben zwei großen Speicher- kotyledonen (Keimblättern)
ein kurzes Hypokotyl und die Keimwurzel erkennen lässt. Die
Zellen der Keimblätter sind vollgepackt mit Speicherstoffen,
deren ernährungsphysiologischer Wert für Mensch und Tier
kaum zu überbieten ist: Hochwertiges Öl (30-35%), ideal
zusammengesetztes Protein (hauptsächlich das Eiweiß „Edestin“),
20-30% Kohlenhydrate sowie alle wichtigen Mineralstoffe und Spurenelemente,
wichtige Vitamine, Chlorophylle und einige Aromastoffe (s. Tabelle
1).
Gift- und Hemmstoffe, wie
sie z.B. im Baumwoll-, Raps- oder Sojasamen auftreten, findet man
in den Hanfsamen nicht, so dass diese roh verzehrt werden können
und weder Öl noch Presskuchen vor dem Verbrauch raffiniert
oder hitzebehandelt werden müssen. Die Rauschdroge Delta-9-Tetrahydrocannabinol
(THC, das aktive Prinzip in Marihuana oder Haschisch) kommt in Hanfsamen
ebenfalls nicht vor. Da THC hauptsächlich in den Drüsenhaaren
auf Hüll- und Laubblättern im Blüten-/Fruchtbereich
der weiblichen Pflanzen produziert wird, kann es bei der Samengewinnung
passieren, dass etwas klebriges THC-haltiges „Harz“
auf der äußeren Oberfläche der Hanfsamen hängen
bleibt. Dies ist bei den in der Europäischen Union erlaubten
THC-armen Hanfsorten so minimal, dass es kein Problem darstellt.
Selbst bei Samen aus THC-reichen Hanfsorten gelangen nur so geringe
Mengen des fettlöslichen THC-Harzes beim Pressvorgang von den
Hanfschalen in das Öl, dass höchst empfindliche Meßmethoden
eingesetzt werden müssen, um im Öl THC nachweisen zu können.
Sie erzeugen keine Rauschwirkung und keine Gefährdung der Gesundheit.
Ein kurze Reinigung der Hanfsaat bzw. Nutzung der seit kurzem zur
Verfügung stehenden geschälten Hanfsaat schafft dieses
Problem aus der Welt, das, wie erwähnt, bei den EU-Sorten erst
gar nicht auftritt.
Hanfsamen dienten seit Urzeiten
nicht nur als Viehfutter (insbesondere Vogelfutter), sondern man
wusste sehr wohl um den Segen der Hanfsaat als Nahrungsmittel, wohingegen
der Adel Hanf als Bauernfraß abtat, eine fatale Fehleinschätzung
des ernährungsphysiologischen Wertes der Inhaltsstoffe der
Hanfsaat. Die für die Neubildung von Zellen im menschlichen
Körper ideale Zusammensetzung des Hanföls
und die gleichzeitig richtige Versorgung mit Aminosäuren für
die Biosynthese von Immunglobulinen führten zusammen mit den
notwendigen Spurenelementen zur Erhaltung und Stärkung des
Immunsystems der Hanfesser, die somit weniger anfällig gegenüber
den vielen ansteckenden Krankheiten, z.B. Pest, waren. Hanfbrei
oder Hanfbutter aus zerstoßenen Hanfsamen
enthalten alle notwendigen Komponenten. Darüber hinaus erhält
man durch Kaltpressung aus Hanfsaat ein grünlich
braun gefärbtes Öl, da seine Farbe durch Chlorophylle
und Carotinoide (z.B. Carotin b = Provitamin A) erhält. Hanföl,
chemisch wie alle anderen Öle ein Tricylglycerid, d. h. ein
Glycerinmolekül ist mit drei unterschiedlichen, langkettigen
Fettsäuren verestert, besitzt eine Zusammensetzung eben dieser
Fettsäuren, die für die menschliche Ernährung
geradezu ideal ist. Sie verleiht ihm unter den
gängigen pflanzlichen Speiseölen eine einmalige biologische
Wertigkeit.
Mengenmäßig vorherrschende
Fettsäure ist die zweifach ungesättigte Linolsäure
gefolgt von der dreifach ungesättigten Alpha-Linolensäure.
Diese beiden Fettsäuren sind für die menschliche Ernährung
essentiell, weil deren Bedarf durch die Nahrungsaufnahme
gedeckt werden muss. Sie kommen auch z.B. im Weizenkeim-oder Färbedistel-Öl
vor. Einmalig beim Hanföl ist, dass es die beiden Fettsäuren
in einem für den Stoffwechsel optimalen Verhältnis von
ca. 3:1 enthält. Denn diese ungesättigten Fettsäuren
setzt der Körper insbesondere zur Herstellung von regulierenden
kurzlebigen Hormonen, zur Erhaltung und zum Aufbau des Immunsystems
und bei der stetig ablaufenden Zellerneuerung ein, da für die
neu gebildeten Zellen die genannten beiden Fettsäuren im rechten
Verhältnis z.B. für die Zellmembranbildung benötigt
werden. Der richtig dosierte Verzehr von Hanföl führt
daher nicht so schnell zur Fetteinlagerung in das Körpergewebe
wie z.B. gesättigte, gehärtete Pflanzenfette oder tierische
Fette, deren Fettsäuren überwiegend in den Energiehaushalt
eingespeist werden.
Als besonders wertvolle Komponente
enthält das Hanföl die ebenfalls dreifach ungesättigte
Gamma-Linolensäure in der stoffwechselwirksamen Menge
von 1,5-6%, je nach Hanfsorte, die sonst in den landwirtschaftlich
nicht so leicht verfügbaren Pflanzen Borretsch (Borago officinalis
L.), Nachtkerze (Oenothera biennis L.) oder schwarze Johannisbeere
(Ribes nigrum L.) vorkommt. Gamma-Linolsäure und die jüngst
im Hanföl ebenfalls entdeckte Omega-3-Stearidonsäure
dienen als wichtige Vorstufen für die Biosynthese der hormonähnlichen
Prostaglandine, die im Körper vielfältige Aufgaben wahrnehmen
wie z.B. im Hormonhaushalt, bei der Funktion von Nerven und Muskeln
und der Steuerung des Blutdrucks. Zwar können Prostaglandine
normalerweise vom Körper selbst aus der essentiellen Fettsäure
Alpha-Linolensäure hergestellt werden, aber durch Stress, falsche
Ernährungsweise oder erbliche Defekte kann es zu einer Unterversorgung
und… (Passage darf hier aus wettbewerbsrechtlichen Gründen
nicht wiedergegeben werden).
Ein weiterer wichtiger Aspekt
des überdurchschnittlich hohen Anteils von über
70% an mehrfach ungesättigten Fettsäuren im Hanföl
ist die Verwertung im menschlichen Stoffwechsel. Fett und Öle
mit gesättigten Fettsäuren werden überwiegend abgebaut
zur Gewinnung von Energie und bei Überschuss zum Aufbau neuer
Speicherstoffe (z.B. körpereigenem Fett in den Fettspeicherzellen)
verwendet. Die im Hanföl überwiegenden mehrfach ungesättigten
Fettsäuren setzt der Körper dagegen zur Herstellung von
kurzlebigen, regulativen Hormonen (z.B. Prostaglandinen, s.o.),
zur Erhaltung des Immunsystems und zum Aufbau neuer Zellstrukturen
(insbesondere Zellmembranen) ein, um die stetigen Umwandlungsprozesse
und den laufenden Neuaufbau von Zellen zu ermöglichen. Die
wohl dosierte Aufnahme von Hanföl führt daher nicht so
schnell zur Bildung von Lipidablagerungen (Arteriosklerose) oder
„Fettpölsterchen“ wie viele ungesättigte tierische
und pflanzliche –z.B. gehärtete- Fette.
Die Bauern im Mittelalter
wussten bereits um den Segen der Hanfsaat als Nahrungsmittel. Sie
aßen Hanfsaat in Form von Hanfbrei oder Hanfbutter. Der Adel
tat Hanf als „Bauernfraß“ ab und erkannte nicht
die gesundheitlichen Vorteile der Ernährung mit Hanf. Das Protein
der Hanfsaat stärkt das menschliche Immunsystem, da es den
Immunglobulinen chemisch sehr verwandt ist… (Passage darf
hier aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht wiedergegeben
werden). Auch das in der Hanfsaat enthaltene Öl ist durch seine
ungesättigten Fettsäuren und Gamma-Linolsäure gesundheitserhaltend.
Das Hanfsaatprotein besteht zu ca. 65% aus dem Globulin „Edestin“
sowie aus einigen Albuminen, die denen im menschlichen Blutplasma
sehr verwandt sind.
Auch die Aminosäure-Zusammensetzung der Hanfproteine kommt
der des menschlichen Proteins sehr nahe und ist daher ernährungsphysiologisch
wertvoll, wobei allerdings noch weitere Studien über die Bioverfügbarkeit
notwendig sind. Das Hanfsaat-Protein liefert aber nicht nur alle
essentiellen Aminosäuren, die der menschliche Körper mit
der Nahrung aufnehmen muss. Sie stehen zudem auch im richtigen
Verhältnis zueinander. Sie sind nach derzeitiger Erkenntnis
biologisch leicht verfügbar für den Aufbau des körpereigenen
Eiweißes. z.B. der Immunglobuline, … (Passage darf hier
aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht wiedergegeben werden).
Wegen dieser überdurchschnittlich hohen ernährungsphysiologischen
Wertigkeit eignet sich Hanfsaat-Protein hervorragend als Zusatz
zu Backwaren, Suppen und anderen Lebensmitteln und ist eigentlich
als Vieh- und Vogelfutter unterbewertet. Das Protein wird gewonnen
durch Zerstoßen oder Vermahlen der Hanffrüchte oder nach
Abpressen des Öles- durch Vermahlen des Pressrückstandes
(Presskuchen, der noch ca. 10% Öl, die harten Fruchtschalen
und die anderen Bestandteile des Samens enthält). Nach dem
geeigneten Sieben zur Entfernung grober Fruchtschalenstücke
erhält man ein graugrünliches, proteinreiches Mehl.
Mit der Wiederentdeckung
der Vorzüge der Hanfpflanze wurden und werden immer noch neue
Lebensmittel-Technologien für die Aufbereitung der Hanfsaat
entwickelt. Durch geeignete Schälverfahren wird die harte Fruchtschale
vor der Verarbeitung entfernt. Die Extraktion und die Anreicherung
des Proteins ermöglicht z.B. in den USA die Herstellung eines
quarkähnlichen Hanf-Tofus bzw. Hanf-Yoghurts und ähnlicher
Produkte. Die abgesprengten Hanffruchtschalen werden u. a. als Viehfutter
oder zur Herstellung von Kissen-Füllmaterialen genutzt. Zudem
ist in geschältem Hanf kein THC nachzuweisen, weil die Samen
THC-frei sind und im Öl oder Protein auch intakter Hanfsaat
gefundene sehr geringe, physiologisch nicht aktive Restmengen von
THC von Verunreinigungen mit THC stammen, das beim Dreschvorgang
an der harten Fruchtwand kleben bleibt.
Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass die Wiederaufnahme
von Hanfsaat in unseren Speiseplan nicht nur ein
wesentlicher, belegbarer Fortschritt zu gesunder,
vollwertiger Ernährung darstellt, sondern auch eine
schmackhafte Abwechslung in unseren Küchenplan bringt. Mit
dem vermehrten Anbau von THC-freien bzw. extrem THC-armen Nutzhanfsorten
wird in den nächsten Jahren sicherlich auch die Zahl von wohlschmeckenden,
gesunden Speisen auf Hanfbasis ansteigen. Eine solche giftfreie
Ernährung mit allen notwendigen Amino- und Fettsäuren,
frei von Cholesterin, BSE-Erregern, Masthormonen und schädlichen
Antibiotika ist das beste Argument dafür, dass wir uns auf
die jahrtausende alte Tradition des Menschen-begleitenden Hanfanbaus
mit modernen züchterischen und pflanzenphysiologischen Mitteln
besinnen und die utopische Angst vor dem Drogenmonster Hanf über
Bord werfen. |